Impuls 22.12.2020

Impuls zum 22.12.2020

Liebe Leser und liebe Leserinnen,
einige Gedanken zu dem wunderbaren Loblied Mariens, dem Magnifikat

In jener Zeit sagte Maria:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. …; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“

Das sog. Magnifikat, unser heutiges Evangelium, ist ein prophetisches Lied, mit dem Maria die Kennzeichen des Reiches Gottes beschreibt. Es steht in der Bibel direkt hinter der Verheißung der Geburt Jesu, die Verkündigung an Maria, der sie -nach einigem hin und her- folgt. Vielleicht kennen Sie das auch, ich kenne es in jedem Fall: Manchmal kann es ganz schön schwer sein, dem Ruf Gottes an dem Platz, an den Er uns stellt, zu entsprechen. 

Palästina ist in der Zeit vor Jesu Geburt besetzt, steht unter römischer Fremdherrschaft. Es herrscht Gewalt, Widerstand wird nicht geduldet. Im Magnifikat, dem Lied, das die schwangere Maria “singt”, beschreibt sie ihre Situation als Erniedrigung, ein damals gebrauchter Begriff für Gewalt gegen Frauen, auch Vergewaltigungen. Wir alle kennen innere und äußere Notsituationen. Ist es nicht so, das gerade in diese hinein, zumindest im Rückblick betrachtet, Gott oft Seine Zusage gelegt hat? Es ist schwer das Wirken Gottes in schweren Zeiten und Situationen zu spüren. Maria ging es da nicht anders.

Das NT beschreibt immer konkrete Situationen der Menschen und versucht Antworten zu geben gerade in schweren Situationen. Ich kenne kein einziges unverwundetes, ausschließlich glattes Leben. In unsere “Erniedrigungen”, unsere Wunden, unsere Brüche hinein legt Gott seine Zusage. Genau dahinein wird Gott Mensch.

Maria sagt Ja, zu dem Leben, das in ihr wachsen will. “Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe wie du gesagt hast.” Sie, die in der sozialen Werteordnung ganz unten steht, fragt niemanden um Rat. Sie stimmt aus eigener Intuition selbstbewusst zu, sie trifft eine aktive Entscheidung und entspricht der Erwählung Gottes. Und singt etwas später bei der Begegnung mit Elisabeth das wunderbare Loblied: das Magnifikat.

Ute Maria Spitzer
Gemeindereferentin in der Weggemeinschaft Born, Bracht und Brüggen

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