Impuls 20.12.2020

Impuls zum 20.12.2020

Maria –  4. Adventsonntag

„Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt du Begnadete, der Herr ist mit dir.  Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden….“

Ach, so einfach war das?

Da kommt ein Fremder in ihr Haus, ein Mann (?) dem Anschein nach, so ganz einfach in dieser patriarchalischen Gesellschaft. Und er spricht ganz offenkundig sehr Rätselhaftes. Er spricht von Dingen, die eigentlich in Marias Lebenssituation ganz unmöglich sind. Ich soll schwanger werden? Von wem denn bitte? Und sowieso überhaupt, warum?

Der Herr ist mit mir? Ja, das ist wunderbar und daran glaube ich ja. Ich bin schließlich eine gläubige Jüdin, aber ich verstehe das alles nicht. Und überhaupt: Wieso eigentlich ich?

Der Engel ist mit seiner Botschaft sozusagen „mit der Tür ins Haus gefallen“, wie man so sagt.

Er konfrontiert eine junge Frau, Maria muss so etwa um die 20 Jahre alt gewesen sein, mit einer Botschaft, die einen doch wohl nur unfassbar staunen, wenn nicht ungläubig an das Gehörte bleiben lässt.

Seine Botschaft krempelt ungefragt das Leben von Maria völlig um. Was hatte sie für eine Vorstellung von ihrem Leben? Natürlich wollte sie mit Josef ein Leben nach damaligen Vorstellungen führen: Familie in jüdischer Tradition.

„Fürchte dich nicht Maria“, sagt der Engel. Wie bitte? Du kommst hier herein, drehst mein Leben mal so eben auf links und ich soll mich nicht fürchten?

Und wie bitte soll ich das alles Josef erklären?

Fragen über Fragen. Und die Antworten bleiben im Ungewissen.

„Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Ach, so einfach war das?
Herzlichst
Diakon W. Türlings aus Brüggen

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