Impuls zum Tagesevangelium
Montag der 5. Woche im Osterkreis (11.05.2020)

Evangelium (Joh 14, 21-26)

Der Beistand, den der Vater senden wird, wird euch alles lehren
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
21Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22Judas – nicht der Judas Iskariot – fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?
23Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
24Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Impuls

Liebe Mitchristen,
die Texte aus dem Johannesevangelium, die in diesen Tagen im liturgischen Kalender stehen hören sich zum Teil befremdlich und wenig verständlich für unsere Ohren an.

Die Frage: worum geht es eigentlich? kann dabei sehr hilfreich sein.

Wie bei allen umschreibenden Formulierungen, brauche ich ein wenig Zeit um den Kern zu erfassen oder wenigstens einzelne Aspekte des Ganzen.

Was bedeutet es für mich, wenn Jesus im heutigen Evangelium sagt:

Wenn mich jemand liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“.

Wenn…, dann… klingt das bedrohlich? fordernd? oder logisch? und konsequent in meinen und Ihren Ohren?

Was sagt die Tonlage Ihnen und mir über das eigene Gottesbild?

Ich möchte zu diesem Wort aus dem Evangelium ein Gedicht von Madeleine Debrel dazulegen:

Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, O, Herr,
könnten wir dem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen
Um gut tanzen zu können
braucht man nicht zu wissen, wohin der Tanz führt.
Man muss ihm nur folgen,
darauf gestimmt sein, schwerelos sein.
Und vor allem: man darf sich nicht versteifen,
sondern ganz mit dir eins sein – und lebendig pulsierend
einschwingen in den Takt des Orchesters,
den du auf uns überträgst.

Wir haben so oft die Musik deines Geistes vergessen,
wir vergessen, dass es monoton und langweilig
nur für grämliche Seelen zugeht,
die als Mauerblümchen sitzen am Rand
des fröhlichen Balls deiner Liebe.

Lehre uns, jeden Tag die Umstände unseres
Menschseins anzuziehen wie ein Ballkleid.
Gib, dass wir unser Dasein leben
nicht wie ein Schachspiel, bei dem alles berechnet ist,
nicht wie einen Lehrsatz, bei dem wir uns den Kopf zerbrechen,
sondern wie ein Fest ohne Ende,
bei dem man dir immer wieder begegnet,
wie einen Ball, wie einen Tanz,
in den Armen deiner Gnade,
zu der Musik allumfassender Liebe.

Madeleine Debrel

Ich wünsche Ihnen gute eigene Gedanken zu diesen Worten.

Gott behüte Sie
Raphaela Ernst

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