Impuls 03.01.2021

Impuls zum 03.01.2021

Liebe Leser und liebe Leserinnen
Herzlich grüße ich Sie am 2. Sonntag nach Weihnachten und dem ersten Sonntag des Neuen Jahres.

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“

Der gesamte Johannesprolog, das heutige Evangelium des Tages, hört sich an wie ein theologisches Seminar für höhere Semester. Er ist geprägt von der damaligen Philosophie; er wollte ihr standhalten können. Zum einen war da der Platonismus und zum anderen die starke Strömung der Gnosis, die damalige Erkenntnis, dass alles was Materie ist, besonders alles körperliche, das Fleisch, das Fleischliche, also auch der Mensch, minderwertig und übel ist.

Dahinein schreibt der Evangelist Johannes: Und das Wort ist Fleisch geworden. „Das Wort Gottes wurde Mensch, damit wir vergöttlicht würden.“ (hl. Athanasius). Gott hat also uns allen in Jesus Christus einen unendlichen Wert gegeben. Man kann und darf den Menschen nicht seiner Würde berauben, weil Gott diese Würde für den Menschen gewollt hat. Auch darum ist der Skandal der sexualisierten Gewalt in der Kirche so besonders schlimm. Wir Christen haben diesen heiligen Text aus dem Johannesevangelium als Leit- und Richtschnur. Wer einen Menschen missbraucht, missbraucht das Göttliche in ihm.

Nach hinten zu schauen ist vielleicht eher eine Angelegenheit des Silvestertages. Der Jahresanfang will nach vorne schauen. „Im Anfang war das Wort“. Was bedeutet es, wenn das Wort Gottes Fleisch geworden ist und wir alle durch Jesus Christus vergöttlicht sind? Was bedeutet dies in Zeiten der Corona Pandemie, die Krankenhäuser mitunter zwingt die sog Triage anzuwenden? Was bedeutet dies in Zeiten des zunehmenden Bekanntwerdens der Skandale in der Kirche, auch in unserem Bistum? Manche mögen sagen: das ist die Vergangenheit. Das letzte Jahr ist vorüber, lasst uns nach vorne schauen. Vor einigen Jahren habe ich im Rahmen einer großen Konferenz einige Tage Fulbert Steffensky gehört. Die Konferenz hatte das Thema: „Die Erinnerung schließt die Zukunft auf.“

Und ich glaube nur so kann es gehen. Wir müssen uns nach hinten erinnern, um nach vorne leben zu können.

Menschwerdung, auch für uns.

Ute Maria Spitzer
Gemeindereferentin in der Weggemeinschaft Born, Bracht und Brüggen

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