Wasser des Lebens!!?? Oder:

Liebe Freunde und Freundinnen!

Jetzt hat es uns auch erwischt: CORONA-KRISE!   Unverhofft ist sie entstanden in irgendeinem Winkel der Welt und hat die Globalisierung genutzt, um sich bis zu uns vorzuarbeiten und auszubreiten.

Und so werden wir zum Stillstand verurteilt. Alle Aktivitäten, gesellschaftlich und wirtschaftlich, nützlich und unnütz, sinnvoll und unsinnig, müssen eingestellt werden. Das Leben geht auf Stillstand. Fragen über Fragen bis hin zu  Angst und Schrecken.

Und jeder meint etwas sagen zu müssen. Deshalb möchte ich auch etwas dazu sagen, denn ich bin ein Vertreter der Kirche, nicht besonders hoch in der Hierarchie, aber immerhin seit weit über 50 Jahren in vielen Bereichen ehrenamtlich und hauptamtlich aktiv, zur Zeit seit über 25 Jahren als Gemeindereferent in St. Clemens, Nettetal Kaldenkirchen.

Meine Glaube sagt mir klar und eindeutig, dass wir als Christen, als Gemeinden, als Seelsorger in der heutigen Situation das Sagen und Verordnen und Anweisen und Bedenken und Ratschlagen und …… nicht nur den Politikern, Mikrobiologen, Medizinern, Psychologen, Börsianern, Wirtschaftswissenschaftlern  und allen sonstigen qualifizierten und auch selbsternannten  Experten überlassen dürfen. Denn, wie wir am Beginn der Fastenzeit gehört haben, und was eigentlich jeder Mensch aus eigener Erfahrung weiß: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Auch wenn Berthold Brecht das Fressen vor der Moral einordnet).  Das ist mir ganz besonders am Sonntag, dem 15.03.2020 sehr bewusst geworden, genau an dem Wochenende, dass uns all die Konsequenzen und Unannehmlichkeiten der Corona-Krise beschert hat.

Wie die Faust auf’s Auge habe ich an diesem Sonntag das Wort aus der Bibel erlebt, das in unseren katholischen Kirchen als Evangelium vorgelesen wurde.  Jesus kommt auf dem Weg durch das ausgetrocknete Bergland zum Jakobsbrunnen, einem bis heute von Juden, Muslimen und Christen in Israel verehrten Ort. Aus diesem Brunnen erhält er von einer unbekannten Frau Wasser, um seinen Durst zu löschen. Daraus entwickelt sich ein Gespräch mit der Aussage, dem Versprechen Jesu: Ich gebe Dir das Wasser des Lebens. Und: dann wirst Du niemals mehr Durst haben. Klar, dass die Frau antwortet: Herr, gib mir dieses Wasser!

Und genau dieses Wasser des Lebens ist es, das uns jetzt so abhanden kommt.  Lebensmittel, alle materiellen Dinge, die wir zum Leben brauchen, haben wir in der jetzt erst beginnenden Krise in Mengen, ja noch so viele, dass wir immer noch und weiterhin dabei sind, sie anderen weg zu nehmen, die diese zur Zeit viel, viel dringender bräuchten.

Aber was geht mit einem Mal verloren? Die Basis unserer Gesellschaft, unseres Wohlstand gerät ins Wanken. Viele Pfeiler, auf die der Einzelne, die Familien, die Gemeinden, der Staat seine Existenz aufgebaut haben, scheinen nicht mehr zu halten. Appelle zur Solidarität sind sehr wichtig, werden aber auf Dauer ihre Wirkung verlieren.

Herr, gib mir dieses Wasser!  Ich kann es mir nicht anders vorstellen, aber es ist gerade jetzt unsere Aufgabe, dieses lebensspendende und lebenserhaltende Wasser zu reichen, zu schenken, zu verschenken, das Wasser der Freundschaft und der Solidarität, das Wasser des Friedens und der Freiheit, das Wasser der Geschwisterlichkeit und  der Nächstenliebe zu teilen.

Als Christen haben wir es in der Taufe erhalten.  Und egal was ist: Gott ist uns nah, denn er hat den Namen: „Ich bin da“, immer und ewig. Ich lasse euch nicht allein. Und durch Jesus, der in allem gesagt und gezeigt hat, wie heilsam und gut sein Wasser des Lebens ist, soll es in uns auch heute lebenserhaltend fließen. Er beauftragt uns, alle dieses in seinem Namen weiter zu geben.

Deshalb bitte ich Sie alle, bleiben sie nicht allein, verschenken Sie ihre Ideen, Gedanken, ihre Freundschaft. Teilen Sie, was in Ihnen steckt an Gedanken, Ideen, Gebeten und allen möglichen Dingen des Lebens. Halten Sie Kontakt zu den Mitmenschen, besonders zu denen, die unter den gegebenen Umständen sehr einsam sein werden. Seien Sie kreativ, denn auch die zur Zeit notwendigen Beschränkungen lassen uns viel Raum, miteinander menschlich und freundschaftlich umzugehen.

Für alle Ideen, Angebote, Gedanken, Bitten, Gebete, gute Worte sind wir dankbar. Wir werden Ihre Rückmeldungen, wenn Sie das wünschen an andere weiterreichen, sie mitteilen, mit anderen teilen, an alle verschenken, damit keiner allein bleiben muss, und jeder aus dieser Quelle trinken kann. Wir alle werden das brauchen, denn das, was noch auf uns zu kommt, wird uns auf vielfältige Weise herausfordern.

An dieser Stelle werden wir, die Seelsorger unserer GdG Nettetal jeweils zum Sonntag unsere Gedanken an Sie weiter geben. Solange keine öffentlichen Gottesdienste in unseren Gotteshäusern möglich sind, möchten wir Ihnen in dieser Form begegnen, und Ihnen das Wort Gottes mit auf den Weg geben, verbunden mit der Bitte, es auch an die Menschen weiterzugeben, die auch das Wasser des Lebens brauchen. Das sind sicherlich mehr, als wir uns in normalen Zeiten vorstellen.

Mittwoch 18.03.2020

Bernhard Müller, Gemeindereferent

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